Juni 2021 –  Die Pasewalker Arbeitsgruppe Diagnostik & Therapie Postvirale Erkrankungen (Physiotherapie Anja Grünberg, Physiotherapie Antje Paulicks, Lungenfachärztin Dr.med. Birgit Mönke, Kardiologin Dr.med. Christine Bahr) kann mit dem aktuellen Bewegungspass-Teil 3 die Behandlung professionalisieren. Der Patient kann jetzt seine Therapie über speziell entwickelte Übungspläne und Befunddokumentationen mitgestalten.

Unter einem Post-Covid-Syndrom (Long Covid) leiden bis zu 10 Prozent der von der Covid-19-Erkrankung genesenen Patienten. Die Infektion mit Sars-CoV-2 Coronaviren befällt vor allem die Atemwege, aber auch andere Organe, wie Herz, Gefäße, Leber, Nieren und Nerven. Studien der Uniklinik Köln und des King‘s College in London gehen davon aus, dass 10 Prozent der ambulanten und 80 Prozent aller stationären Patienten sechs Monate nach ihrer Infektion noch Langzeit-Symptome aufweisen. Folgende Schäden können auftreten:
Schwerste Erschöpfung (Fatigue)

 

  • Herzinsuffizienz als Folge einer Covid-19-Herzmuskelentzündung oder Herzrhythmusstörungen
  • Lungenschäden (durch die Infektion, aber auch durch Beatmung und nachfolgende Vernarbung bis hin zu Lungenfibrose): Atemnot, Husten, verringertes Lungenvolumen
  • Neurologische Schäden: Schwindel, Beeinträchtigung des Geschmacks- und Geruchssinns
  • Kognitive Einschränkungen: Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit
  • Schmerzen: Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen
  • Niereninsuffizienz

Leider trifft Post-Covid auch oft Menschen, deren Krankheitsverlauf leicht oder symptomarm war. Rund ein Drittel der Patienten, die eine Infektion im häuslichen Umfeld auskuriert haben, leiden ebenfalls unter einem Post-Covid-Syndrom.

Das Krankheitsbild ist schwer abzugrenzen. Wir nehmen die Betroffenen sehr ernst!

Um unseren Patienten die bestmögliche Diagnostik und Therapie zu ermöglichen haben sich die Mediziner dieses Bewegungspasses aus den Fachgebieten Kardiologie, Pneumologie und Physiotherapie zu einer Post-Covid-Behandlungsgruppe zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen wir die bestmögliche Therapie für den Patienten entwickeln und unsere Erfahrungen austauschen.

Die Symptome der Lunge werden pneumologisch auf eine eingeschränkte Diffusionskapazität (Gasaustausch zwischen Blut und Luft) durch fibrotische Veränderungen des Lungengewebes untersucht. Im Mittelpunkt der Therapie steht die Wiederherstellung der Lungenfunktion, was mithilfe einer physiotherapeutischen Atemtherapie geschieht. Kurzatmigkeit, Husten oder Atemnot bessern sich durch spezielle Übungen zur Kräftigung der Atemmuskeln, zur Dehnbarkeit des Brustkorbs. Das Erlernen von Atemtechniken ermöglicht eine tiefe und effektive Atmung. Wie wichtig das ist, zeigt eine aktuelle Studienlage, wo sogar noch 4 Monate nach einer COVID-19-Erkrankung die Sauerstoffaufnahme der Lunge um ein Fünftel gegenüber dem Wert einer gesunden Person vermindert sein kann.

Die kardiologische Diagnostik reicht von einer Elektrokardiografie, einer Echokardiografie, evtl. Labordiagnostik, Belastungs- und Langzeit-EKG und in Ausnahmefällen bis hin zu MRT oder CT-Untersuchungen des Herzens. Ihre Kardiologin wird Ihnen neben der möglichen medikamentösen Therapie ein geeignetes Rehabilitationsprogramm vorschlagen und Ihre Physiotherapeutinnen stärken mit speziellen Herzsportübungen gezielt die Funktion Ihres Herzens.

Unser Versorgungspfad von Covid-19-Erkrankten