Herzinsuffizienz („Herzschwäche“) ist eine ernstzunehmende Erkrankung, bei der das Blut nicht ausreichend durch den Körper gepumpt wird. Dadurch wird der Körper nicht mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt Die Beschwerden treten schleichend auf und werden anfangs oft nicht vom Betroffenen wahrgenommen (z.B. schnellere Ermüdung, Kurzatmigkeit bei Belastung, Flüssigkeitseinlagerungen in den Beinen). Es handelt sich keinesfalls um eine normale Alterserscheinung, deshalb sind eine frühe Diagnose und Therapie sehr wichtig.

Professor Friedrich Köhler - Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité zu Berlin
Professor Friedrich Köhler – Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité zu Berlin (Foto: Norddeutscher Rundfunk)

Verbesserungen in der medikamentösen Therapie haben in den letzten Jahren die Lebenserwartung und auch die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessert. Dennoch ist die Herzschwäche der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt in Deutschland („kardiale Dekompensation“). Jeden Tag werden mehr als 1.000 Patienten stationär deswegen behandelt und im Jahr entstehen 5,3 Mrd. Euro Therapiekosten.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und den hohen Kosten stationärer Betreuung, ist das Betreuungsziel Patienten länger ambulant zu betreuen. Durch die steigende Verbreitung und Leistungsfähigkeit von Mobilfunk und „intelligenten“ Handys wird auch die Medizin zunehmend digitaler und mobiler. Seit mehr als zehn Jahren spielt deshalb Telemedizin bei der Betreuung von Patienten mit Herzschwäche eine große Rolle. Der Grundgedanke besteht darin, dass durch die Übertragung von verschiedenen Messwerten (z.B. Körpergewicht, Blutdruck) die Verschlechterung des Gesundheitszustandes frühzeitig erkannt und noch ambulant behandelt werden kann.

Klinische Studien haben gezeigt, dass Telemedizin ein sinnvolles Instrument der Patientenführung in einem bestimmten Stadium der Erkrankung und für eine bestimmte Dauer ist. Die Patienten erhalten hierfür verschiedene Messgeräte nach Hause – Waage, Blutdruck und EKG – und messen nach einer Schulung zuhause täglich ihre Vitaldaten. Diese werden automatisch über Mobilfunk an ein Telemedizinzentrum übertragen

Dort werden die Daten rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr durch fachärztliches und fachpflegerisches Personal bewertet. Bei Anzeichen einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes werden verschiedene Maßnahmen, in Absprache mit dem betreuenden Hausarzt oder Kardiologen, ergriffen. Diese Maßnahmen reichen beispielsweise von Gesprächen mit dem Patienten zur Abklärung des Befindens, der Anpassung der Medikamente, der Vorstellung beim Hausarzt oder Kardiologen bis hin zur Einweisung ins Krankenhaus.

Die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten spielt in diesem Betreuungsmodell eine wesentliche Rolle. Telemedizin kann nur dann die positiven Effekte nachweisen, wenn diese nicht in Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur bestehenden medizinischen Betreuung des Patienten eingesetzt wird.

Die bereits bestehende Betreuung durch den Hausarzt oder Kardiologen wird um die telemedizinische Mitbetreuung durch das Telemedizinzentrum ergänzt.
Die bereits bestehende Betreuung durch den Hausarzt oder Kardiologen wird um die telemedizinische Mitbetreuung durch das Telemedizinzentrum ergänzt. (Foto: Charité)
Medizinisches Fachpersonal im Telemedizinzentrum
Das medizinische Fachpersonal im Telemedizinzentrum der Charité war an 365 Tagen rund um die Uhr für die Patienten da. (Foto: Charité)

Von 2013 bis 2018 wurde an der Charité – Universitätsmedizin Berlin zusammen mit 113 kardiologischen und 87 hausärztlichen Praxen deutschlandweit die Studie „Telemedizinische Mitbetreuung bei Herzinsuffizienz 2“ (TIM-HF2) durchgeführt. Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.